Schattenspiel "Die Hochzeit": Unterschied zwischen den Versionen
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Auf dem alten, steinernen Wehrhof der Grafschaft ruhte ein Frieden, der so zerbrechlich war wie dünnes, gefrorenes Eis im ersten Frühlingslicht. Generationen lang hatten das Haus Basonna und das Geschlecht der Guldensteins einander mit bitterem Hass bekämpft. Blut hatte an den Klingen geklebt, und der Wind trug oft genug die Klagelieder der Gefallenen über die Zinnen. | Auf dem alten, steinernen Wehrhof der Grafschaft ruhte ein Frieden, der so zerbrechlich war wie dünnes, gefrorenes Eis im ersten Frühlingslicht. Generationen lang hatten das Haus Basonna und das Geschlecht der Guldensteins einander mit bitterem Hass bekämpft. Blut hatte an den Klingen geklebt, und der Wind trug oft genug die Klagelieder der Gefallenen über die Zinnen. | ||
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Die alten Schwerter wurden aus ihren Scheiden gezogen. Die Fehde, fast totgesagt, bekam ein neues, loderndes Feuer — und die Schatten über dem Land krochen tiefer als je zuvor. | Die alten Schwerter wurden aus ihren Scheiden gezogen. Die Fehde, fast totgesagt, bekam ein neues, loderndes Feuer — und die Schatten über dem Land krochen tiefer als je zuvor. | ||
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Aktuelle Version vom 14. August 2026, 13:57 Uhr
| Schattenspiel "Die Hochzeit" | |
|---|---|
| Autor | Die See-Elfen |
| Quelle | Helicon 65 |
| Jahr der ersten Veröffentlichung | 54 n.A.III |
| räumliche Herkunft | Darragesh, Valmera |
| Autor (OT) | Marc Hermann |
Auf dem alten, steinernen Wehrhof der Grafschaft ruhte ein Frieden, der so zerbrechlich war wie dünnes, gefrorenes Eis im ersten Frühlingslicht. Generationen lang hatten das Haus Basonna und das Geschlecht der Guldensteins einander mit bitterem Hass bekämpft. Blut hatte an den Klingen geklebt, und der Wind trug oft genug die Klagelieder der Gefallenen über die Zinnen. Bis zu jenem Tag, an dem das Wunder geschah.
Da war Leandra Basonna, eine junge Frau von solcher Anmut und makelloser Schönheit, dass selbst die stolzesten Hofdamen an der Seite der Königin in ehrerbietigem Schweben verstummten, wenn sie den Raum betrat. Ihr Haar fiel wie geschmolzenes Gold über ihre Gewänder, und ihr Gang glich dem sanften Gleichen eines Schwans. Und da war Jorim Guldenstein, ein junger Mann von edlem Wuchs. Seine Augen blickten ehrlich und frei in die Welt, und wenn er lächelte, schien es, als könne dieses Lächeln selbst den finstersten Sturm besänftigen und Frieden stiften zwischen verfeindeten Welten.
Die Hochzeit sollte ein neues, goldenes Kapitel aufschlagen. Sie sollte nicht nur zwei Herzen verbinden, sondern den jahrhundertealten Groll begraben. Die Waffen sollten schweben, die Banner sich senken, und die Familien sollten sich endlich die Hände reichen in ewiger Eintracht. Das Volk jubelte. Die Sänger dichteten Balladen über die Liebe, die den Krieg besiegt hatte. Die Sonne des Morgens schien den Bund zu segnen. Doch vor dem Altar, im Schatten der hohen gotischen Bögen, lauerte bereits das Verderben. Am Morgen der Trauung, als die Kerzen bereits brannten und der Priester sein Buch aufschlug, brachte ein namenloser Bote einen Brief zum Hof. Ein versiegeltes Schreiben, das das Schicksal mit einem Federstrich zerreißen sollte. Darin stand geschrieben: Jorim, der Bräutigam, habe in der Nacht zuvor eine der edlen Hofdamen verführt.
Die Welt schien für einen Herzschlag stillzustehen. Leandra weinte, und ihre Tränen schienen das Licht der Kerzen zu löschen. Jorim tobte vor Zorn, seine Augen brannten vor Ungerechtigkeit, als er schwor, dass kein Wort davon der Wahrheit entspräche. Sofort brach das Chaos aus. Das Band der Eintracht riss entzwei. Die Guldensteins schworen bei ihren Ahnen, dass es eine infame Lüge war, ein feiger Dolchstoß in den Rücken. Die Basonna hingegen pochten auf die Ehre ihres Hauses und schworen Stein und Bein, es sei die reine, unumstößliche Wahrheit. So fiel die Hochzeit ins Wasser wie ein welkes Blatt im herbstlichen Sturm. Und mit ihr der so sehnlich ersehnte Frieden. Die alten Schwerter wurden aus ihren Scheiden gezogen. Die Fehde, fast totgesagt, bekam ein neues, loderndes Feuer — und die Schatten über dem Land krochen tiefer als je zuvor.