Schattenspiel "Die Karawane": Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 14. August 2026, 13:57 Uhr
| Schattenspiel "Die Karawane" | |
|---|---|
| Autor | Die See-Elfen |
| Quelle | Helicon 65 |
| Jahr der ersten Veröffentlichung | 54 n.A.III |
| räumliche Herkunft | Darragesh, Valmera |
| Autor (OT) | Marc Hermann |
Weit hinter den kargen, flimmernden Grenzen des Reiches, wo die Sonne erbarmungslos vom Himmel brannte, hatte sich eine prächtige Karawane des Hauses Basonna in Bewegung gesetzt. Auf ihren Lasttieren trugen sie kostbarste Güter: Stoffe von so feiner Webart und leuchtender Farbenpracht, wie sie im ganzen Land begehrt und von Fürsten und Königinnen gleichermaßen bewundert wurden. Der Aufbruch geschah im hellsten Sonnenschein, begleitet von den frohen Gesichtern der Händler, die auf reichen Gewinn und neuen Wohlstand hofften.
Doch der Frieden der Wüste ist ein trügerischer Ozean. Mitten am Tage, als die Sonne ihren Höchststand erreichte, erhob sich wie aus dem Nichts ein Sturm. Er kam so plötzlich wie ein feiger Dolchstoß aus dem Hinterhalt. Eine Wand aus gelbem Sand und brüllendem Wind schluckte die Karawane. Die Tiere bäumten sich auf, die Männer suchten vergebens nach Schutz, und binnen weniger Herzschläge war die stolze Gesellschaft verschlungen. Weder die kostbaren Stoffe noch eine Seele kehrte je zurück.
Als die Nachricht den fernen Hof erreichte, witterten die Neider ihre Chance. Vor allem das Haus der Guldensteins, stets bedacht auf den Untergang der Basonna, zögerte keine Sekunde. Im Schutz der hohen Hallen begannen sie ein Netz aus Lügen zu spinnen. Sie flüsterten Gift in die Ohren des Adels: Die Basonna hätten ihre Karawane gewiss selbst im Sande „verloren“, um die Preise ihrer bereits so teuren Ware noch in die Höhe zu treiben. Doch das Gift floss in beide Richtungen. Sofort erhoben sich Gegenstimmen aus dem Lager der Basonna, die schworen, die Guldensteins hätten den Sandsturm genutzt, um die Karawane im Verborgenen zu überfallen und die wertvolle Fracht zu rauben, was die Guldensteins natürlich vehement verneinten. So wuchs die Mauer des Misstrauens, und die jahrhundertealte Fehde erhielt einen weiteren, tonnenschweren Stein, der sie tiefer in den Abgrund drückte.