Zur gelungenen Überraschung
| Standort | |
| Wirtsleut | Zampaniano Wuzz |
| Quartier | nein |
| - | |
Wie kommt man hin?
Man kommt nicht hin – man gerät hinein.
Denn Zampaniano Wuzz, ein Wandergastwirt mit Vorliebe für das Unerwartete, taucht dort auf, wo niemand ihn vermutet. Ein leerstehendes Badehaus auf der Drachentrutz, ein ausgedienter Kornspeicher in Jarun, oder ein leergefegter Tanzsaal in Escandra. Am einen Tag wirken die Räumlichkeiten noch verschlossen und vergessen – am nächsten ist da plötzlich dieses schlichte Tavernenschild, mit geschnörkelter Handschrift:
„Neueröffnung: Zur gelungenen Überraschung – Speis, Trank & Unvorhersehbarkeiten.“
Sowohl das Außen, das stets dem Stile der Umgebung angepasst und nur als bieder-defensiv zu beschreiben ist, als auch das brave Innere, mit unauffälligem Interieur, mittelmäßigem Leinen und fast gähnender Andacht an Chic, deutet ganz und gar auf ein vollkommen gewöhnliches und austauschbares Etablissement hin – zu gewöhnlich, möchte man fast meinen.
Wer führt das Haus?
Zampaniano Wuzz, seines Zeichens Wandergastronom und Bühnenkünstler, erscheint auf den ersten Blick tatsächlich als eher unangenehmer Gastgeber: schmallippig, napfnasig, mit triefenden Augen und einem unstet griesgrämigen Blick. Er spricht wenig, kaum mehr als ein näselndes „Sehr wohl“ und serviert Speis und Trank reizlos höchstselbst, bar jeder helfenden, potenziell reizvolleren Hand. Der geneigte Gast mag sich fragen, was denn bitte bei allen Vieren an dieser Taverne besonders sein soll? Doch dann… geschieht es.
Was ist geboten? Warum sollte man hier einkehren?
Niemand außer Zampaniano Wuzz weiß genau wann, doch plötzlich ereignet sich etwas ganz und gar Unvorhersehbares. Ob plötzliche Finsternis im Raum, ein donnernder Tusch oder eine explodierende Süßspeise – irgendetwas zerreißt den biederen Schein – und die Wandertaverne wird zur Bühne des Irrsinns, zur Wallstatt der Tollheit.
Dann beginnt der zweite Teil des Abends, vielleicht…
- öffnet sich ein Teil der Decke und ein riesiger Drache – täuschend echt, doch aus Pappmaché – gleitet feurig, und knapp über den Häuptern, durch den Raum, begleitet von ohrenbetäubendem Posaunenhall.
- hopsen aus einer Bodenklappe plötzlich vier tanzende Pudel auf, die mit Tütüs, oder anderer Tracht bekleidet, einen volkstümlichen Tanz aufführen.
- entpuppen sich „Tarngäste“ als verkleidete Prominente (wie einstmals das Wunderkind Bonifazio, das seinen Tischnachbarn ungefragt Arien entgegenschmetterte).
- schießen Trapezkünstler mit Armbrustbolzen Seile in gegenüberliegende Wände, um anschließend darauf, natürlich mit verbundenen Augen, Räder zu schlagen.
- bricht ein Schauspieler auf Stelzen als waidwunder Hirsch verkleidet herein, stakst durch den Saal, gejagt von einer Schar abgerichteter Gänse, die ihn geifernd verfolgen.
- Und all dies gleichzeitig, nacheinander, oder (wie meist) etwas vollkommen anderes und nie zuvor Dagewesenes.
Der Wirt selbst, Zampaniano, erscheint in figurbetonter Seide eines valmerianischen Herrschers, trägt dezent Lidkohle, Lippenlack und funkelnde Arm- und Fußreifen, während er mit überraschender Gefälligkeit hinter dem Tresen einen Schleiertanz zum Besten gibt, wobei er Getränke zapft, ohne auch nur einen Tropfen zu vergießen.
Statt Kerzenlicht erfüllen meist lumineszierende Zierfische in runden Gläsern den Raum mit glosend-aurazinthenem Licht.
Die Reaktionen der Gäste reichen von schrillem Gelächter über ekstatische Begeisterung bis zu panischem Davonlaufen – alles Teil der Überraschung.
Wen trifft man hier?
Wer hier einkehrt, ist entweder:
- unvorbereitetes Opfer der eigenen Neugier
- sadistische Initiierte, die neue Gäste mitbringen, damit diese „etwas erleben“
- rekrutierte Schausteller, namhafte Persönlichkeiten mit Sonderrolle und unter falschem Namen, also allesamt Teil der Darbietung.
Niemand bleibt unbeteiligt. Alle können Teil der Vorstellung werden. Sei es als euphorischer Gast, mit verbundenen Augen auf Eiern balancierend, oder als menschliche Utzganscheibe, das Objekt der Begierde zweier im Turnier befindlicher Utzganmannschaften.
Die Taverne „Zur gelungenen Überraschung“ kann sich überall dort ereignen, wo Menschen sich sicher wähnen.
Und wenn am Ende der Veranstaltung der Wirt wieder schweigsam und napfnasig hinter dem Tresen steht, in grauem Sackleinen – das valmerianische Prachtgewandt ist verschwunden – und die Gäste torkelnd den Saal verlassen, bleibt ihnen oft nur ein Gedanke:
„Was bei allen Vieren ist da passiert – und wann kommt es wieder!?“
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