:Ausgabe 24/ Herzöglich Ostarische Hofgazette

Aus HeliWiki
Version vom 4. Februar 2008, 20:52 Uhr von DerWissende (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Landmeister Herban von Huldrig tödlich verunglückt

Am achtzehnten Tage des dritten Helios verstarb der Landmeister Darian der Templer zu Ankur bei einem Kutschunglück in der Nähe der Stadt Duneburg in der Hochballei der Templer zu Ankur. Herban von Huldrig war auf dem Weg nach Perzstein, als bei voller Fahrt in einer Kurve nach Passieren der oraneckischen Grenze das vordere, linke Rad der vierspannigen Ordenskutsche brach und sich die Kutsche mehrfach überschlug. Mit ihm gingen zwei Templerbrüder in den Tod. Lediglich der Kutschmeister, der die Zügel der Pferde in den Hände hielt, überlebte die Todesfahrt mit schmerzenden Knochenbrüchen, da ihn die Pferde, durch den Unfall von der Last der Kutsche befreit, vom Kutschbock rissen. Nachdem sich der Überlebende von dem Schock des Unfalls einigermaßen erholt hatte, berichtete er einer Untersuchungskommission, daß er die Räder noch vor Antritt der Fahrt überprüft und für tadellos befunden hatte. Sabotage sei deshalb auszuschließen. Vielmehr sei der Fehler in der schlechten Qualität der Straße zu suchen. Am zwanzigsten Tag des dritten Helios wurde ein Trauergottesdienst in der Hochballei der Templer zu Ankur begangen, in dessen Anschluß, der Leichnam auf dem Ordensfriedhof in Wieselsteig beigesetzt wurde. Die sengende Hitze in weiten Teilen Ostariens erforderte eine zügige, aber dennoch standesgemäße Beerdigung seiner Hochwohlgeboren, bei der der Großmeister Kalveram vom Norrland und der Ordensmarschall Hadebrand von Grauburg, die eiligst vomdritten ceridischen Kirchenkonvent im nahegelegenen Ankur angereist waren, dem Toten die letzte Ehre erwiesen. Eine Trauerdepesche wurde unverzüglich an Ludmilla von Huldrig verschickt, um sie über den Tod ihres Vaters in Kenntnis zu setzen. Die Entscheidung über eine mögliche Neubesetzung des Posten ist noch nicht gefallen. Mitunter sieht der Großmeister auch keinen Sinn in einer Neubelebung des Landmeisterposten Darians, da es nun eben nur äußerst wenige Ceriden, wenn überhaupt, in Darian gibt.

Ausführlicher Bericht über den Vorstoß des ostarischen Expeditionsheers in die unbekannten Ödlande seit der Versammlung der Obersten im 3.Helios bis zum heutigen Tage, abgefaßt von dem herzöglichen Hofchronisten Karlon vom Storcheneck (Auszug)

Tag 14
Seit vier Tagen nun haben wir uns von den Heeresteilen unter Kalveram vom Norrland getrennt und dringen, unserem königlichen Auftrag gemäß, am Fuß des Nordmassivs westwärts immer tiefer in die Ödlande vor, ohne bisher auf Widerstand gestoßen zu sein. In jedem von uns sind die Ereignisse der letzten Wochen und Monate noch lebendig - umso gespenstischer wirkt die Szenerie jetzt auf uns. Keiner von uns hatte sich die Ödlande so still vorgestellt. Wälder, Berge, die weiten Heidegebiete und Torfmoorhügel im Norden sind gänzlich ausgefüllt, gleichwie durchdrungen von dieser beängstigenden, allumfassenden und doch nicht greifbaren Stille. Und so läßt auch der Generalzeugmeister Baron Jareck von Jolberg, ohnehin bekannt für seine Vorsicht, immer noch doppelte Nachtschichten über unseren Schlaf wachen und das Gebiet um unseren Troß im Umkreis von 20 Wegstunden durch Spähtrupps absichern.

Tag 15
Abermals hat es heute den Anschein, als würden wir in den nächsten Wochen einen unheilvollen Begleiter bekommen: Von den mit Eis und Schnee bedeckten Berggipfeln her hat der Winter begonnen, sich in die Vorberge herabzusenken. Manche denken offen über eine Umkehr nach - Baron Jareck von Jolberg will davon jedoch nichts wissen.

Tag 16
Unser Vorhaben, in den Wäldern am Fuß der Vorberge zu marschieren, kann nicht weitergeführt werden: Späher berichten, daß eine uns unüberwindliche Schlucht den Weg versperrt. Wir waren in den letzten Tagen des öfteren zu komplizierten Flußüberquerungen gezwungen, und so hat Baron Jareck von Jolberg widerstrebend beschlossen, in dem offeneren Gelände weiter nördlich zu marschieren.

Tag 17
Wieder sind zwei der Wachen im Morgengrauen erfroren aufgefunden worden.

Tag 18
Große Aufregung herrschte heute im Offizierszelt: Eine abgeschlagene Gruppe von Ödlandkriegern wurde von unseren Kundschaftern eine Tagesreise entfernt nordwestlich gesichtet. Der Baron befahl sogleich, sie zu verfolgen und zu stellen; er erwartet sich positive Auswirkungen auf die Moral seiner Armee.

Tag 19
Die Ödländer wurden gestellt: Fünfzig Gefangene konnten gemacht werden, der Rest des Trupps war zu verwundet um weiterzukommen und wurde sich selbst überlassen.

Tag 20
Die gefangenen Ödländer haben sich in einem unehrenhaften Akt der Feigheit allesamt umgebracht. Die Überreste des Gemetzels wurden nicht weiter untersucht; andere Ereignisse beschäftigten den Baron heute in viel größerem Maß: Im Westen tut sich ein weites Tal auf. Die Kartographen erwarten, in etwa zwei Wochen den Jolborn zu erreichen. Das würde uns die Rückkehr nach Ostarien noch vor dem Wintereinbruch garantieren. Wenn jedoch das Tal nicht nördlich umgangen sondern erkundet wird, würde dabei natürlich Zeit verlorengehen.

Tag 21
Die Entscheidung über die weitere Route wird heute getroffen. Eine Gruppe von sieben hochrangigen Offizieren, die sich schon seit längerem für eine Umkehr einsetzten, brachte ihr Anliegen zu dieser Gelegenheit offen vor und verlangten den Abbruch der Expedition. Baron Jareck von Jolberg, der fest entschlossen ist, die Expedition zu einem ruhmreichen Ende zu bringen, war sehr aufgebracht. Er befahl, sofort den Weg in das Tal zu nehmen und enthob außerdem zwei der Aufrührer (er bezeichnete sie als "Meuterer"!) ihres Amtes und setzte sie vorläufig fest.

Tag 22
Wir beginnen, in das zu beiden Seiten von schneebedeckten Bergen gesäumte Tal aufzusteigen.

Tag 23
Die Nacht war ausnehmend kalt. Einer unserer Kundschafter hat sie nicht lebend überstanden. Zu unserer Überraschung stoßen wir am Spätnachmittag auf einen völlig überwucherten Weg. Wir folgen ihm westwärts.

Tag 24
Es hat geschneit in der Nacht. Sogar der Baron denkt über eine Umkehr nach, doch nicht für lange: Die Kundschafter berichten abends über eine Ruinenstadt talaufwärts. Wir werden sie morgen nachmittag erreichen.

Tag 25
Um die Mittagszeit erreichen wir die Ruinenstadt bei strömendem Regen. Sofort befiehlt der Baron, das Gelände zu sichern und außerhalb der Stadt ein Lager zu errichten. Gegen Abend geht der Regen in Schnee über.

Tag 26
Das Wetter ist etwas besser. Heute hatten wir endlich Gelegenheit, die Ruinenstadt zu erkunden. Sie ist zu zwei Seiten von einem Fluß, zu einer Seite von einem See und zu einer Seite von einer Landzunge begrenzt. Von den meisten Häusern sind nur noch die Grundmauern erhalten. Wir vermuten, daß einstmals über 1000 Bewohner hier gelebt haben mögen. Die Stadt muß über aufwendige Verteidigungsanlagen verfügt haben, wohl um die vielen Herrschaftshäuser zu schützen, die offensichtlich in der Stadtmitte gestanden haben müssen. Um die Mittagszeit befiehlt der Baron, die Überreste der Stadtmauer zu sichern, um eventuelle Angriffe von dort zurückzuschlagen. In einigen wenigen erhaltenen Kellerausschachtungen wird nach Hinterlassenschaften der Bewohner gesucht, außerdem wurden Spähtrupps ausgeschickt, um die Region in einem Umkreis von fünf Tagesreisen zu erforschen und zu sichern.

Tag 27
Wir haben einige hochinteressante Entdeckungen gemacht: Einer der noch erhaltenen Keller enthält unter anderem Schriftrollenfragmente, die in uns verständlicher Sprache abgefaßt sind.

1. Rollenfragment:
"... Seht die Bäume,
wie große Kraft in ihnen wohnt!
Sie binden die Mächtigen:
Poena, die in der Erde wohnt
Dort ihre Wurzeln ruhen
Helios, der in der Sonne wohnt
Dort ihr Blattwerk sich reckt
Xurl, der in den Wassern wohnt
Dort ihre Gestalt sich füllt
Saarka, die in den Winden wohnt
Dort ihre Zweige sich wiegen
Seht die Bäume, wie sie erstarken!
..."

2. Rollenfragment: "... damit sie ein Haus haben in dem wohl gesorgt werden soll für ihre angenommenen Gefährten des neuen Bundes und auch die viel mangen Schriften, deren Hut und Hege ihnen gegeben wird ... aufdaß sie alsbald genennet sey Galtur Stadt unter der Hand des Königs von der Sommersonnwent an ... in der gewiesen sein soll der Stätte Geschick, ob Wohl oder Wehe, in allen Tagen bis zum tausendsten Jahr."

3. Rollenfragment: "... auf daß der tapfre Utzgalf sie auslöse aus der Gefangenschaft, denn ein Pfeiler ist er, auf dem sie sich bald stützen mögen in ihrer Not. In seiner Hand liegt ihr Leben wohl behütet wie uns selbst ein steinern Haus bewahret vor der Nacht..."

Beeindruckt von den Funden befiehlt der Baron unseren Pioniertruppen, im Wald Holz für Lagerbaracken zu schlagen. Er ist von dem Gedanken eingenommen, das Kulturerbe der Stadt im Namen unseres Königs Helos Aximistilius des III. für Ostarien in Besitz zu nehmen.

Tag 28
Schneesturm! Wir alle mußten den ganzen Tag in den Zelten ausharren.

Tag 29
Die Pioniere, Kundschafter, Wachen und Suchtrupps gehen ihrer Arbeit nach - es gibt nichts zu berichten.

Tag 30
Das Wetter bleibt ungewöhnlich kalt aber stabil. Der Winter hat sich in die Vorgebirge zurückgezogen. Die ersten Kundschafter kommen zurück: Östlich der Stadt führt ein völlig überwucherter Pfad durch die Wälder an einen noch unbekannten Ort. Südlich gibt es nur eine Lücke in den unüberwindlichen Felswänden: Eine Schlucht, die in die Berge hinaufführt. In ihr ein Pfad, der in deutlich besserem Zustand ist wie der östlich verlaufende. Im Westen steigt das Tal steil an, im Norden senkt sich der Gebirgszug langsam nach Nordosten hin ab. Auf der gegenüberliegenden Seite treten kuriose Salzquellen zutage.

Tag 31
Aufgrund der Erkenntnis, daß der von uns bezogene Landstrich offensichtlich zwar durchaus an die Ödlande grenzt, ihnen jedoch nicht direkt zugerechnet werden kann, weil er allem Anschein nach Reste heligonischer Besiedlung aufweist, hat der Baron im Einvernehmen mit seinen Offizieren den Entschluß gefaßt, die Ruinenstadt für die Vier, den Einen, Heligonia, Ostarien, usw. als nördlichsten ostarischen Außenposten einzunehmen. Sie soll vorläufig - entsprechend dem gefundenen Rollenfragment - Galtur genannt sein. Das von Ostarien beauftragte Söldnerheer hat die Stadt den Winter über zu halten, worauf sie im Frühling zur Besiedlung durch ostarische Bürger freigegeben wird. Zur Belohnung für den ausgezeichneten Dienst der Söldner werden diese bei der Freigabe der Ländereien bevorzugt behandelt; sie sollen eine einmalige Beihilfe in Form von Werkzeugen und Geld bekommen. Die Hilfsgüter werden zusammen mit ihren Angehörigen im Frühling mit einem bewaffneten Versorgungstroß überführt. Das ostarische Heer wird in zwölf Tagen den Rückweg antreten, da das Tal im Westen Galturs in einem für berittene Truppen unpassierbaren Geröllfeld zu einem bereits schneebedecktem Paß ansteigt und der Rückweg daher über Brassach genommen werden muß. Bis zur Abreise wird der Großteil der Streitmacht zu Pionierarbeit herangezogen, um den Söldnern das Überwintern zu ermöglichen. Da der Rückweg über die weiten Ebenen im Norden genommen werden soll (Jareck von Jolberg möchte den vollständigen Rückzug der Ödlandstreitkräfte sicherstellen), rechnen die Geographen damit, bis zum 3. Xurl wieder in heimischen Gefilden einzutreffen.

Krieg auf dem Jolborn ? - Die Rache für das "Jolberger Wettschießen"

Es war eine tiefdunkle, stürmische Nacht, als auf der Friedländischen Festung Widdenblick, am Trisselbacher Ufer des Jolborns, das Alarmzeichen erklang, die Trommel, die ruhende Besatzung wachrief, und ein jeder - Befehlshaber wie Soldat - seinen Posten auf den Mauern einnahm. Das alles dauerte wenige Minuten, nur wenige hatten Möglichkeit zu fragen, was denn überhaupt los sei. Es hieß man habe zwei, sich einander in offensichtlich kriegerischer Absicht nähernden Schiffe auf dem Fluß ausmachen können. Eines unter Ostarischen, eines unter den eigenen, den Friedländischen Farben. Man wolle nun schauen was geschehe und, wenn nötig, nach Kräften Beistand leisten.

Die Wellen des Jolborn gingen hoch, und oft spritze kalter Schaum den fröstelnden Friedländern über die Brüstungsmauern ins Gesicht. Scharf blies der Wind von Nordost, von Ostarien herüber, und jeder dachte sich im Stillen, daß aus dieser Richtung nichts Gutes kommen konnte. Mit einem Mal vernahm man deutlich durch das Brausen und Getöse des Gewitters fernes Schlachtengeschrei, welches nur von Destima, einer kleinen Insel inmitten des Flusses herkommen konnte. Dort befand sich eine kleine Landungsstelle, die einem jedem in Not geratenen Schiff als Rettung von je her offenstand. Die Sicht wurde schlechter. Feurige Lichtblitze, offenbar Flammengeschosse, waren nur für Sekundenbruchteile zu sehen, der Wind führte jetzt beißenden Rauchgeruch mit sich.

Sollte dies nun tatsächlich die erste ernsthafte Schlacht zwischen den beiden konkurrierenden Ländern Friedland und Ostarien sein? Entlud sich das gegenseitige Reizen und das Streben um die Vorherrschaft auf dem Fluss jetzt letzten Endes in einem furchtbaren Seekrieg?

Aufmerksam lauschten auf den Mauern von Festung Widdenblick besorgt Befehlshaber und Soldaten. Ein Eingreifen war ihnen, aufgrund des Unwetters und der damit verbundenen fehlenden Sicht mit nichten möglich. Gegenseitig teilten sie sich ihre Mutmaßungen und vagen Beobachtungen mit. Der eine wollte das Friedländische Schiff das Ostarische entern sehen, der andere schwor die Ostarier behielten die Oberhand. So vergingen einige Stunden, bis sich gegen drei Uhr der Wind langsam legte, und auch die Soldaten schwiegen, es herrschte Totenstille. Leichter Nebel kam auf und zog sanft über den Fluß. Einige Augenblicke nach drei Uhr flammte plötzlich von Flußseiten her ein loderndes Feuer auf. Man vernahm lautes Krachen und eindeutig die Geräusche eines sinkenden Schiffes, gefolgt von lautem Jubelgeschrei. Das Gefecht schien einen Sieger gefunden zu haben. Obgleich die Besatzung der Festung noch lange harrte und lauschte, vernahm sie fortan doch keinen Laut mehr.

"Nun, was haltet Ihr davon, Griseldus?" fragte Oberst Rommian von Ulmensuhl, der Kommandant von Widdenblick, einen seiner Offiziere. Der Angeredete, ein älterer, dürrer Mann mit grauem Haar und Bart, über und über mit Narben bedeckt, stand bis jetzt ein wenig abseits von seinen Kameraden an der Brüstung gelehnt. Er trat achselzuckend näher: "Oberst fragt mich nicht danach, was hier geschehen ist. Beim Einen, ich möchte nicht darüber nachdenken, was diese Schlacht für Heligonia bedeutet!". "Pah, alter Narr! Pack Dich und gesell Dich zu den Weibern!" erwiderte von Ulmensuhl verächtlich "Endlich geschieht etwas und Du fängst das Jammern an! Doch was nur ist geschehen - wir müssen es herausfinden! Wer nun auch immer tot auf dem Grund des Flusses sitzt, er weiß, was die Stunde geschlagen hat!" Hart bellte der drahtige Mittzwanziger zwei Befehle und ein kleiner Trupp Bewaffneter setzte sich auf sein Geheiß in Richtung des Jolborns in Bewegung. Der Himmel hellte auf, ein neuer Tag wurde geboren, als die Männer keuchend zurückkehrten, um ihrem Herrn Meldung zu machen. Der stand noch immer da, wo er den Befehl vor Stunden erteilt hatte. Seine langen, dunklen Gewänder wogten sanft mit dem leichten Wind. Er hörte sich, starr den Fluß fixierend, an, was ihm seine Untergebenen zu sagen hatten. Dies schien ihm nicht zu gefallen, denn während ihres Berichtes krallten sich Rommians Finger immer krampfhafter in den kalten, klammen Stein. "So!" unterbrach er die ängstlich vorgebrachten Ergebnisse, seine Stimme zitterte, "Dann war das alles nur ein einfaches Manöver der Ostarier? Quasi ein Witz, dies alles vor unseren Augen durchzuführen, ja?" "Ja, ja. Und dieser Kielholer war auch dabei!" bemerkte der Fähnrich verhalten mit dem Kopf nickend und vervollständigte eingeschüchtert seinen Bericht: "Ja Herr, außerdem war noch die Admiralin Agatha von Ognitz-Garstfelden da. Sie hatte wohl das Kommando über das Ganze. Als wir jedenfalls an die ostarischen Zelte kamen, erklärte sie uns alles, daß man lediglich die neuen Speergeschosse ausprobieren wollte und dazu eben ein geeignetes Modell benötigte. Nun, äh nämlich..." ein anderer wurde mit dem Ellebogen gestoßen, dieser versuchte nun vorsichtig den Kommandanten das weitere schonend zu berichten - der Versuch mißlang: "Waaas? Sie haben eine Nachbildung unserer `Wolfram von Drachenhain` gebaut und darauf geschossen? Davon muß Baron Karr erfahren! Diese Frechheit darf nicht ungesühnt bleiben!" - die jungen Männer pflichteten ihm mittels heftigem Kopfnicken bei, doch Rommian von Ulmensuhl beachtete sie nicht mehr - er verfolgte ganz andere Gedanken...

N. B.

Heliosritter Maligor von Thardanus als Verwalter Hohenfohringens eingesetzt

Es sei kundgetan, daß Heliosritter Maligor von Thardanus von der Ödlandfront zurückgekehrt ist und vom heutigen Tage an als Verwalter Hohenfohringens eingesetzt wird. Seine Aufgabe wird es sein, den Aufbau der Provinz voranzutreiben und das Land wieder in seine einstige Blüte zu führen. Hierbei trägt Heliosritter Maligor die volle Verantwortung und Entscheidungsbefugnis über das Lehens. Der bisherige Verwalter, Reichsritter Markwardt von Steinach, dem wir neben dem schnellen Eingreifen in Teemooranien ferner den Beginn der Aufbauarbeiten in der Provinz verdanken, wurde an den Hof seiner allerdurchlauchtigsten Majestät zurückberufen. Eine Ausnahme hierbei bildet die Stadt Quellstett, die aufgrund ihrer wichtigen Schlüsselrolle im ehemaligen Teemooranien den Status einer freien Reichsstadt erhält und somit dem König direkt unterstellt ist. Die Verwaltung der Stadt obliegt dem dortigen Stadtrat.

Leserbrief: "Wenn Edmond de la Cruz das wenigstens angemeldet hätte..."

Meine Damen und Herren,

Ich möchte hiermit meine Sorge um die fortschreitende Verrohung der Sitten in Heligonia zum Ausdruck bringen. Es geschehen heutzutage Dinge, an die nur zu denken unsere Vorfahren vor Scham hätte erröten lassen. Und zu allem Überdruß wird dabei auch noch ständig der übliche Amtsweg nicht beachtet! Als Beispiel möchte ich einen Vorfall nennen, der letzten Monat in unserer schönen Herzogsstadt geschehen ist und der ohne das Eingreifen Ihrer Erlaucht Herzogin Wallumas leicht den guten Ruf Ostariens hätte kosten können.

Wie jeder weiß, weilt schon seit geraumer Zeit der Fürstbischof von Friedland in Ankur, angeblich weil er eine Wunde auskurieren muß. Meiner Meinung nach brauchte der hohe Herr allerdings nur eine Ausrede, um nicht gegenüber seinen Vasallen zugeben zu müssen, daß er Friedland nicht ausstehen kann. Stattdessen muß der Ostarische Steuerzahler seinen Aufenthalt hier finanzieren. Und die Medici, die ständig Scheinbehandlungen durchführen sind natürlich auch nicht billig. Also, wenn mir die Aufgabe zukäme dort einmal die Rechnungsbücher zu prüfen, hätten diese "sauberen" Herrschaften bald ein Gerichtsverfahren am Hals.

Doch nun zum eigentlichen Kern des Geschehens:

Was vielleicht nicht alle wissen ist, daß mit Edmond de la Cruz außer 11 Ödländern auch vierhundert nicht registrierte Kriegsgefangene aus Dunkelnau nach Ankur kamen. Es handelte sich um jene Reichsverräter, die am 20. Tag des 1.Xurl im Jahr 25 n.A.III. die freie Republik Auenfeld ausgerufen hatten. Ihre Anwesenheit wurde toleriert, denn was hätte man mit ihnen machen sollen, etwa in den Brazach werfen? Auch wollte man die gewohnte diplomatische Feinfühligkeit walten lassen. Wie der Leser später noch merken wird, gibt es Individuen, die vollständig entgegengesetzt zu diesen Prämissen vorgehen. Nun wie dem auch sei, man schwieg zu dem Vorfall und ließ die Friedländer gewähren in der Hoffnung, daß die "Kriegsbeute" bald den Weg ins Fürstbistum nehmen würde.

Doch wie sich herausstellte, weit gefehlt: Nach dem üblichen Mittagsschlaf erwachten die braven Bürger Ankurs, von grauenvollen Schreien geweckt, und bemerkten einen unausstehlichen Gestank, der aus Richtung des Nordtors kam und sich in der ganzen Stadt verbreitete. Ich verzichte auf eine genaue Beschreibung dessen, was die Herbeieilenden auf dem Platz am Tor vorfanden, aus Rücksicht auf die feinfühligen unter den Lesern. Umringt von einer großen Menschenmenge, bewachten fürstbischöfliche Soldaten eine grausige Szenerie: Die Dunkelnauer und ihre Ödländischen Leidensgenossen waren auf äußerst qualvolle Weise hingerichtet worden. Während also ihre teilweise nicht mehr erkennbaren Körper dort lagen und fürchterlich stanken, hielt Edmond de la Cruz eine Rede über den Triumph Friedlands und Ostariens über die Ödlander und alle anderen Feinde Heligonias.

Ich weiß nicht, was sich die Stadtwache gedacht hatte, daß sie nicht sofort eingeschritten war. Mir scheint als wäre ein Personalwechsel dort dringend von Nöten. Schließlich hatte wohl doch noch jemand bei höherer Stelle Meldung erstattet, denn bald darauf, aber eben leider zu spät, kam ein Bevollmächtigter der Herzogin und beendete nach einer erhitzten Diskussion mit dem Fürstbischof die ganze Vorstellung, worauf die Friedländer begannen vor den Toren der Stadt Ein großes Grab auszuheben und dort hinein die vierhundertundelf Leichen zu werfen.

Meine Damen und Herren, ich habe noch selten zuvor ein solches Ausmaß an Rücksichtslosigkeit erlebt. Hier wurde gegen zahlreiche Verordnungen, wie die amtliche Anmeldung von Hinrichtungen und öffentlichen Reden, verstoßen. Außerdem ist es bis heute nicht gelungen den Platz am Nordtor wieder in seinen ursprünglich sauberen Zustand zu versetzen. Die Anwohner leiden noch immer unter dem Gestank. Ostarien ist doch nicht der Abfallplatz für die Opfer friedländischer Exekutionslust.
Und was hat der Edmond de la Cruz nun überhaupt damit erreicht. Soviel ich weiß nur, daß Ihre Erlaucht, die Herzogin, vorerst einmal alle Gespräche und Treffen mit dem Fürstbischof oder friedländischen Offiziellen abgesagt hat.
Versteht Ihr jetzt was ich meine, wenn ich von schlechtem Benehmen und Verrohung der Sitten rede? Tut etwas dagegen und fangt bei Euren eigenen Kindern an.

Lang lebe Herzog Uriel II.

Amtsdirektor Egbert von Vogelberg, Herzöglich Ostarischer Rechnungshof Ankur

Richtigstellung:

In dem im Boten 23 erschienenen Artikel: "Gott mit uns und dann auf nach Dunkelstein Teil-2" war von 600 Ödländischen Kriegsgefangenen die Rede. Dies erschien seltsam, da es bis dahin nicht gelungen war eine größere Menge Ödländer lebend gefangenzunehmen. Unsere Ermittlungen ergaben, daß es sich bei den Kriegsgefangenen nicht um Ödländer, sondern um eben jene Reichsverräter aus Dunkelnau handelte, von denen im Leserbrief des Herrn von Vogelberg die Rede ist. Ob es sich hier um eine gezielte Fehlinformation oder ein einfaches Mißverständnis gehandelt hat ist unbekannt.

Die Redaktion

Frohe Kunde aus der Baronie Brassach und dem Norrland

Minutenlang läuteten alle Glocken in Brassach und im Norrland als am einundzwanzigsten Tage des dritten Helios des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung eine neue Generation derer von Norrland-Brassach auf Burg Tarnam das Licht der Welt erblickte. Vorhergegangen war die Anweisung Hagen von Grauburgs unverzüglich nach der Niederkunft der Baronin von Brassach in allen Kirchen und Amtshäusern die Glocken sowie in allen Dörfern und Siedlungen die Sturmglocken zu läuten, um dem Volke im Norrland und in Brassach die frohe Kunde kundzutun. Berittene der Templer und der norrland-brassachischen Reiterei eilten durch die Ländereien und brachten die glückliche Kunde von der Geburt eines Stammhalters und seiner jüngeren Schwester auch an den herzöglich-ostarischen Hof und zur königlichen Schreibstube in Escandra. Die Geburt der Zwillinge, so der Bote, verlief unkompliziert und die Baronin, zwar noch geschwächt, erfreut sich bester Gesundheit. Kalveram vom Norrland, tagelang auf dem Kirchenkonvent in Ankur sichtlich von einer gewissen Unruhe geplagt und rechtzeitig in Wieselsteig von der bevorstehenden Geburt in Kenntnis gesetzt, eilte nach Tarnam und ließ nach der Niederkunft mehrere Fässer Wein und Schädelspalter anstechen und sechs Norrland-Bullen schlachten. Der Abend des einundzwanzigsten Tages endete in einer großen Feier auf Burg Brassach.

Die Entscheidung über die Namen der Kinder ist bereits im Vorfeld gefallen: So wird der Erstgeborene und Stammhalter den Namen seines Großvaters Daron tragen, der tapfer im Kampfe gegen die Ödländer fiel. Die jüngere Tochter wird auf den Namen der Großmutter Kalverams, Kara, getauft werden. Das Tauffest wird aufgrund der nötigen Vorbereitungen erst im zweiten Xurl stattfinden, zudem viele befreundete Adlige aus den anderen Landesteilen Heligonias geladen werden.

Emaranisches Kneipengespräch

Auf einer Wanderung, die mich durch das vom Kriege heimgesuchte Emarania führte, machte ich Rast im Einhorn in Wasserau. Die Stadt wimmelt nur so von Drachenhainern und Heliosgardisten, aber die Bewohner scheint das nicht weiter zu kümmern. Sie gehen ihrem Tagwerk nach wie eh und je, als wäre nichts gewesen. Es scheint ein Menschenschlag zu sein, den Nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Und dach - unter der stillen Oberfläche brodelt es...

Bei einem Bier am Abend wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Gespräches dreier Emaranier, die ungeachtet ihres unterschiedlichen Standes an einem Tisch saßen und philosophierten. Der Eine war ein Schmied, der Zweite ein Bauer, der auf dem Markt gewesen war, und der Dritte ein nicht ganz unvermögend scheinender Bürger von Wasserau...

Schmied: Ja, ja...
Bauer: Häh?
Schmied: Jetzt sitzt unser Mädel schon so lange auf der Burg fest und kann nichts tun, als zum Fenster rausschauen. Und was sieht sie?
Bürger: Fremde! Nichts als Fremde!
Schmied: Ja, ja...
Bauer: Ich hab von Anfang an nichts davon gehalten.
Bürger: Wovon?
Bauer: Von dieser Heirat und dem ganzen Teemooranien.
Schmied: Wieso?
Bauer: Ach, die Lodenburger sind doch kleinkariert, und die Hohenforinger, die sollen mal hübsch auf ihrer Seite vom See bleiben! Fischfresser!
Bürger: Fisch ist gesund.
Bauer: Papperlapapp! Gemüse ist gesund, und unsere Erdäpfel, aber toter Fisch aus kaltem Wasser...
Schmied: Als ich damls nach dem Tod von Baron Winfried im Untergrund....
Bürger: Je, ja! Da trugen die Mäuse noch Säbel! Winfried ist tot, der hilft unserem Mädel auch nicht. Eine Ungerechtigkeit ist das. Was kann sie denn dafür, daß der Alte durchknallt! Kaiser! Ha! Auslachen hätten sie ihn sollen, dann wäre gar nichts passiert.
Bauer: Sie hat ihn geheiratet. DAS reicht für den Strick! (Er nimmt einen großen Schluck aus dem Bierkrug) Aber nicht mit mir, sage ich Euch, nicht mit mir! So einfach lassen wir uns unser Mädel nicht wegnehmen!
Schmied: Und jetzt rennen überall die Blauröcke herum, mit ihrem großspurigen Getue. Soldaten des Königs! Daß ich nicht lache!
Bauer/Bürger: PSSSST!!!
Schmied: Ach hört doch auf! Solange sie regiert hat, konnte jeder sagen, was er dachte, und allen ging es gut dabei. Und wenn es was gab, ist man aufs Schloß gegangen und sie hat sich drum gekümmert. Ja wohl, gekümmert hat sie sich, und zwar um jeden, der was gebraucht hat! Die Drachenheiner sind ja schon recht, aber sie sind...
Bürger: Fremde!
Schmied: Die haben doch keine Ahnung, wie das hier läuft!
Bauer: Traurig ist sie. Meine Frau kommt ab und zu ins Schloß, mit Gemüse. Die Wachen haben gesagt, daß sie ihr Zimmer nicht verlassen hat, seit die Soldaten gekommen sind. Und sie sitzt nur am Fenster und starrt auf den See.
Bürger: Was soll sie denn auch machen? Als Teemon aus den Ödlanden zurück war - wer hat ihn eigentlich auf so ein Himmelfahrtskommando geschickt? Sieht ja fast aus, als hätte man ihn loswerden wollen, also wir haben schon einen ziemlichen Schwund an Baronen in Ostarien! - Also, als er zurück war, hat sie sich ja ziemlich ins Zeug gelegt, um noch was zu retten. Aber passiert ist nichts. Vielleicht hat es keiner geglaubt. Jetzt stehen plötzlich alle da und winken mit den Mehlsäcken. Und lauter Ogeden. Wo ist denn ihr feiner Bruder, der Fähnchen-in-den-Wind-Hänger Fürstbischof? Und dann noch die Fehlgeburt...
Bauer: Fehlgeburt?
(Er beugt sich zu den anderen vor)
Ich muß Euch was erzählen.. .Also, nach dieser ,,Fehlgeburt" kam am späten Abend ein Mann zu uns auf den Hof. Ihr wißt ja, die Straße nach Tagil geht bei mir vorbei. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Er kam und bat um warme Milch. Meine Frau ist mit ihm rausgegangen und sie sagte, er habe zwei ganz kleine Kinder dabei gehabt. Und sie hat ihn auch erkannt, weil sie ja aufs Schloß kommt. Es war Oberst Valerian, und er hatte es ziemlich eilig. Von wegen Fehlgeburt!
Bürger: Je, ja, man sagt ja, der Oberst und unser Mädel - aber lassen wir das, sie hat genug Schwierigkeiten.
Schmied: (vertraulich) Er war hier, auf dem Schloß. Weiß der Eine, wie er reingekommen ist, aber er war da. Und es heißt, seither lächelt sie wieder...
Bürger: Ist auch ein schneidiger Bursche, der Oberst. Ja, wo sind denn dann jetzt die Kinder?
Bauer: Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall hat sie sie vor diesem Monster in Sicherheit gebracht.
Schmied: Er war kein Monster. Nicht, bevor er in die Ödlande gezogen ist. Ein Hohenforinger halt, aber kein Monster.
Bürger: Sie hätte jeden haben können. Aber sie hat Angst gehabt. Der Bürger-meister hat erzählt, sie habe ihm gesagt, sie müsse um jeden Preis verhindern, daß er Emarania angreift. Das war, bevor sie nach Carajon gereist ist.
Schmied: Da wäre sie mal lieber zu Hause geblieben. Mit dem wären wir schon fertig geworden. Und den Jolbarger hat sie damit auch vergrault. Das wäre so ein Netter gewesen...
Bauer: Ja, ja...

Ich mußte leider gehen. Aber eines ist klar. Die Emaranier sorgen sich um ihr ,,Mädel". Und ich glaube, sie werden sie nicht im Stich lassen.

Dernhelm vom See, wandernder Barde.

Neuigkeiten aus Drackensteig

Aufgrund der großen Verluste an Soldaten und Material während des Ödlandkrieges, wurden in allen 7 Lehen in Drackensteig neue Truppen ausgehoben.

Um diese Soldaten auszubilden und in den Waffengängen zu schulen wurden zum Ende des Mondes Herbstmanöver angesetzt. Zu diesem Zwecke wurden auch eine ausgesuchte Anzahl von Watzgensteiner und Caspelbrunner Truppen eingeladen. Die Manöver werden auf dem Truppenübungsplatz nahe Zollfels abgehalten.

Die erschöpften Drackensteiger Soldaten, die ja nun schon seit Beginn dieses Krieges in Brassach unter dem Befehl von Freiherr Belgarion heldenhaft kämpften, ziehen nach hause.

Freiherr Belgarion beschloß die Truppen nach hause zu befehlen. Diese Entscheidung fällte Freiherr Belgarion schweren Herzens , doch sind die Truppen in solch einen desolaten Zustand, daß sie bei den Kämpfen an der Front keine Hilfe mehr sind. Die abgekämpften Helden werden mit Schiffen, die freundlicherweise von dem Händler Pervai Amer zur Verfügung gestellt werden, nach Hause gebrach.

Lediglich ein Banner mit 50 Mann unter dem Befehl des Freiherrn Stark von Ostringen erweist den gefallenen Caspelbrunner und Watzgensteiner Recken das letzte Geleit nach Hause. Verdienterweise wird damit diesen tapferen Männern, die für die Verteidigung eines für sie fremden Landes starben, die Ehrung die sie sich erstritten, zuteil.
Auch hat Freiherr Alrik von Ostringen die Anweisung, das ruhmvolle Banner Caspelbrunns, das nie in den Staub fiel, ihrer Hochwohlgeboren Isabeau de Fénelon zu überreichen.

Horatio Erster Berichterstatter Drackensteigs

Baronie Brassach und Provinz Norrland zur Markgrafschaft Norrland-Brassach vereint

Am vierzehnten Tage des zweiten Xurls des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung trafen sich im Stadtpalais von Tarnam in der Baronie Brassach ihre Erlaucht Herzogin Walluma von Ostarien, der königliche Sonderbeauftragte und Kartograph Denkwill von Nauhen und seine Hochwohlgeboren Kalveram vom Norrland, Baron von Brassach und Herr vom Norrland, um über die endgültige Zukunft der Baronie Brassach und des Norrlandes zu verhandeln und zu entscheiden. Diesem Treffen waren, wie nun im Nachhinein zu erfahren war, mehrere geheime Zusammenkünfte zwischen dem ostarischen Generalzeugmeister, Jareck von Jolberg, und dem Baron von Brassach sowie verschiedener ligoniischer Beamten und Kalveram vom Norrland vorausgegangen. Auch wird der letzte Besuch des Norrländers am königlichen Hof in Escandra mit dieser neuerlichen Zusammenkunft hoher ostarischer und ligoniischer Würdenträger in Zusammenhang gebracht. An eben diesem vierzehnten Tage sollten nun endgültig alle Voraussetzungen definiert werden, um den Baron von Brassach am zwölften Tage der ersten Saarka aus der Vasallenpflicht gegenüber dem ostarischen Herzoghaus zu entbinden. Fortan wird Kalveram vom Norrland die Geschicke der ihm durch Ausstellung eines erweiterten königlichen Heliosbriefes zugesprochenen Ländereien, die aus sämtlichen Provinzen der Baronie Brassach, der Provinz Norrland und neu eroberten Gebieten im Ödland bestehen, als Markgraf von Norrland-Brassach bestimmen. Die Markgrafschaft im Nordosten Ostariens und im Nordwesten Ligoniis wird ab dem diesjährigen Adelstage nur noch dem König unterstellt sein und erlangt somit den gleichen Status wie Ostarien, Ligonii, Drachenhain und die sonstigen heligonischen Teilstaaten. Die Ehre des Titels 'Markgraf' wurde Kalveram vom Norrland zu teil, da er sich während des Ödlandkonfliktes, unter dem insbesondere die Baronie Brassach doch arg litt, als tapferer Streiter für die Sicherheit des Nordens Heligonias verdient gemacht hatte und den Wilden des Nordens einen tieferen Einfall in das zivilisierte Heligonia durch Aufbietung aller Kräfte verwehrte, sie gar wieder zurück ins Ödland trieb.

Erstmalig und wohl einmalig in der traditionsreichen Geschichte Ostariens entlassen nun die Herrscher des Herzogtums einen Vasallen samt der ihm verbrieften Ländereien in die Lehensunabhängigkeit. Die Unabhängigkeit der Baronie Brassach vom Herzogtum Ostarien soll aber nicht ohne Bedingungen vollzogen werden. So wurden Herzogin Walluma von Ostarien und ihrem Gatten als Ausgleich für die nun für Ostarien verlorengegangenen Gebiete neue Ländereien nördlich Dunkelsteins und westlich der Markgrafschaft Norrland-Brassach vom König zugesprochen, die auf der neuen Karte unter dem Namen 'Kendas Pailat' Einzug halten werden. Weiterhin, so munkelt man, soll es besondere Verträge und Abkommen zwischen Herzogin Walluma von Ostarien und Kalveram vom Norrland geben, in denen Kalveram seiner ehemaligen Lehnsherrin allem Anschein nach besondere Vorrechte zusichert. Inhalte dieser bis dato geheimgehaltenen Vertragspapiere konnten nicht in Erfahrung gebracht werden, aber Gerüchten zufolge sollen die endgültigen Dokumente auf dem Adelstag zur Unterschrift kommen. Sicherlich mag auch folgender Umstand zur Souveränität Norrland-Brassachs beigetragen haben: Seine Erlaucht Herzog Uriel II. und Kalveram vom Norrland leisten seit vielen Jahren als Templer zu Ankur gemeinsam Dienst an der guten Sache der militärischen Stützung des Ceridentums, auch wenn Herzog Uriel in den letzten Jahren durch seine Krankheit in der Ausübung der freiwillig erwählten Pflichten behindert wurde. So war es auch Herzog Uriel II., der als Landmeister Ostariens, den Norrländer als neuen Großmeister der Templer zu Ankur vorschlug, als der Orden Conrad von Lodenburg, den damals amtierenden Großmeister, dazu 'bewegte', das Amt zu Gunsten seines toleranteren Nachfolgers aufzugeben.

Um die Neugier der Leser der herzöglich-ostarischen Hofgazette und des Heliosboten zu einem Teil zu befriedigen, stellte Denkwill von Nauhen den durch den Aufbruch der hohen Persönlichkeiten nach Tarnam hin aufgeweckten Schreibstubenmitarbeitern im Namen des Königs eine Kopie der obigen Karte zur Verfügung, aufdaß sich jeder Adlige und Gebildete Heligonias ein Bild von der neuen Lage im erforschten Norden Heligonias machen könne.

Die Hilfsaktionen des Ogedenbundes im ehemaligen Teemoranien Versuch einer Chronik, Teil 2

(Anmerkung der Redaktion: Als der Bote seit der letzten Ausgabe in verschiedene Sparten aufgeteilt wurde und sich die Redaktion in regionale Redaktionen aufteilte, wurde der Artikel zur Hilfsaktion im letzten Boten versehentlich im Drachenhainer Teil abgedruckt. Diesen kleinen Fehler bitten wir zu entschuldigen. Die zahlreichen Diskussionen, die zwischen dem Drachenhainer und dem Ostarischen Redaktionsführer durchgeführt wurden, wie denn so etwas passieren konnte, haben dem Ursprung des Fehlers nicht auf den Grund gehen können. Falls erneut ein solcher Fehler auftauchen sollte, bitten wir, diesen einfach zu übersehen, da der Besprechungsraum noch immer verwüstet ist.)

17.Tag des 2. Helios - Von Lodenburg nach Hohenforingen - Nordemeran

Die Fakten: Die Rede an das Volk hält Brian McPhee.
Der Kommentar: Hohenforingen als Teemons Heimatbaronie galt als schwierigster Teil der Mission. Nordemeran war dabei das harmloseste Pflaster; dennoch: Brian McPhee gleich im ersten Ort ans Redepult zu schicken, zeugte von Vertrauen in den jungen Tagiler. Zu Beginn etwas nervös, erledigte er seine Sache gut.

18.Tag des 2. Helios - Quellstedt

Die Fakten: Quellstedt ist Durchreisestation ohne längeren Aufenthalt. Die Reaktion der Bewohner auf den Anblick der Ogeden ist ausgesprochen frostig. Ein nobel gekleideter Mann überreicht Irmgard von Ilmenau einen Brief.
Der Kommentar: Quellstedt war von Teemon verhätscheltes wirtschaftliches Zentrum Hohenforingens. Noch heute regiert dort Wohlstand, gar Luxus. Ogeden finden sich keine. Es ist anzunehmen, daß nur die bewaffneten Begleiter der Barone und scharfe Ermahnung durch die ostarische Übergangsverwaltung Übergriffe verhinderten. Entsprechend wird Teemburg Ex-Hauptstadt Teemoraniens und Stammsitz Teemons, nicht aufgesucht.

19. Tag des 2. Helios - Torpstein

Die Fakten: Zwei junge Männer machen Irmgard von Ilmenau ihre Aufwartung und beminnen sie. Nimue von Aue verhindert, daß Irmgard den beiden aus dem Lager folgt.
Der Kommentar: Es ist wahrscheinlich, daß es sich bei den Männern um Söhne des Hohenforinger Landadels handelte; von einem der beiden stammte wohl der Brief von Quellstedt. Nimue von Aue hat sich über das Minnen sicher amüsiert und schritt erst ein, als es nötig wurde. In Zusammenhang mit den folgenden Ereignissen erscheint auch der Versuch einer Entführung Irmgards möglich.

20. Tag des 2. Helios - Angriff von Räubern

Die Fakten: Eine Bande von Räubern greift die Angehörigen der Hilfsaktion aus dem Hinterhalt an. Die Abwehr gelingt, doch erbeuten die Räuber Waren. Die Hilfsaktion kehrt nach Torpstein zurück, um auf Warennachschub und Soldaten aus Vorberg zu warten.
Der Kommentar: Die Räuber hatten es klar auf die Waren abgesehen; ihr Vorteil war es, daß die Krieger vor allem die Geweihten schützen mußten. Brian McPhee griff ebenfalls zur Waffe, auch Koldewaiht von Hautzensteyn - ein seltener Fall. In Torpstein führten die beiden ein langes Gespräch miteinander, in dem es laut Aussage einiger der Begleiter der beiden auch um Irmgard ging.Ein Gespräch von Rivalen? Drachenhain darf gespannt sein.

24. Tag des 2. Helios - Vliss

Die Fakten: Mit mehreren Tagen Verspätung wird Vliss erreicht. Die Heiler unter den Geweihten kümmern sich um die Opfer eines Fiebers, das in Vliss umgeht.
Der Kommentar: Die Hilfe angesichts eines akuten Problems brachte dem Ogedenbund hier, in fast rein ceridischem Land, mehr Sympathien als es reine Warenlieferungen oder gar Reden getan hätten. Obwohl die Geweihten eher mehr im Vordergrund standen als sonst, erntete die Hilfsaktion zum ersten und einzigen Mal in Hohenforingen Jubel.

25. Tag des 2. Helios - Angriff von Teemon-Anhängern.

Die Fakten: Versprengte Teemon-Anhänger versuchen einen Angriff, werden aber abgewehrt.
Der Kommentar: Der Weg zwischen Quellstedt und Vliss brachte der Hilfsaktion kein Glück. Daß der zweite Angriff abgewehrt wurde, war vor allem den aufmerksamen Lormarker Bogenschützen zu verdanken, dennoch gab es drei Tote auf Seiten der Hilfskation zu beklagen, darunter ein Lormarker und ein Luchner.

26. Tag des 2. Helios - Von Hohenforingen nach Emarania

Die Fakten: Die Teilnehmer an der Hilfsaktion schiffen sich in Quellstedt nach Oberau ein Der Kommentar: Die Bevölkerung verhielt sich ähnlich feindselig wie zuvor und der Nieselregen paßte genauso dazu wie die Miene Nimues, als die Seekrankheit in ihr aufstieg.

28. Tag des 2. Helios - Oberau

Die Fakten: In Oberau macht die Hilfsaktion nach den offiziellen Feierlichkeiten noch zwei Tage Pause Der Kommentar: Nachdem der schwierigste Teil der Reise überstanden war, wollten sich die beteiligten Adligen wohl noch etwas Ruhe gönnen. Wer Koldewaiht von Hautzensteyn und Nimue von Aue gemütlich am See angeln sah (für den luchnarer Baron wohl eine Premiere), hätte die beiden sicher nicht mit offiziellen Unternehmungen in Verbindung gebracht.

1. Tag des 3. Helios - Niederau

Keine besonderen Vorkommnisse

3. Tag des 3. Helios - Schlußzeremonie in Vorberg.

Die Fakten: Bei der Schlußzeremonie standen die religiösen Aspekte ganz im Vordergrund Der Kommentar: Hier hatte die offizielle Reise durch Ex-Teemoranien mit Gütersichtung und Weihung eines Xurl-Heiligtums begonnen. Die Adligen schienen der Geweihten gerne das Feld zu überlassen, auch Nimue von Aue, selbst Geweihte, hielt sich sehr zurück. Wahrscheinlich waren sie froh, daß die anstrengende Hilfsaktion zu Ende ging. Nimue von Aue unterhielt sich längere Zeit mit einem hochgewachsenem, blonden, attraktiven Mann in einem dunkelblauem Gewand mit silberner Borte. Es ließ sich nur herausfinden, daß dieser Mann die Hilfsaktion mit vorbereitet hat und aus Emarania stammt.

Ab 4. Tag des 3. Helios - Heimreise

Die Fakten: Die Beteiligten treten ihre unterschiedlichen Heimwege an.
Der Kommentar: Die Hilfsaktion war alles in allem ein Erfolg; zumindest im ehemaligen Teemoranien hat der Ogedenbund von sich reden gemacht. Ob dies sich auf die Zukunft des Bundes auswirkt und ob sich das Verhältnis der Beteiligten dadurch geändert hat, wird sich zeigen. Der Kommentator ist besonders auf die Zukunft Irmgards von Ilmenau gespannt.