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Das ist eine alte ogedische Weisheit, die von den Geweihten der vier Götter verkündet wird. Sie nimmt den Menschen die Furcht vor dem Tod. Sie wissen, daß [[Poëna]] zwar ihre Leiber zurücknimmt, jedoch ihre Seelen unsterblich sind. Diese trägt [[Gwon]], der Götterfalke, zu [[Helios]] an das Himmelszelt, wo sie als Sterne in der Nacht strahlen. Demnach ist der Tod eines Menschen die Geburt eines neuen Sterns. Der Körper geht wieder in den Kreislauf der Natur ein, wie das Laub im [[Xurl]], das im [[Saarka]] zu fruchtbarer Erde zerfällt und im Poëna mit der Kraft und Wärme Helios neues Leben wachsen läßt. Dennoch nehmen die ogedischen Gläubigen Abschied von ihren Verstorbenen und betrauern sie, weil jeder Mensch nach seinem Tod einen leeren Platz im Leben seiner Angehörigen und Freunde zurückläßt. Die Heimstätte der Toten wird ''Poenas Garten'' genannt. Jede Ansiedlung besitzt einen solchen Totengarten, der immer außerhalb des Dorfes oder der Stadt liegt und gleichzeitig ein Schrein für alle vier Götter ist. Mittelpunkt des Götterschreins ist ein großer Steinquader mit den Zeichen der Götter, auf dem der Verstorbene nach uralten Riten aufgebahrt wird. Am Tage des Todes wird der Leib gewaschen, gesalbt und mit dem Totengewand bekleidet. Der Steinquader wird reichlich mit Blumen und Kräutern geschmückt, bevor der Körper des Toten darauf gelegt wird. Während Helios in der Abendstille am Rande der Erdenschale versinkt, bitten die Angehörigen den Gott um die Aufnahme der Seele. Bei Einbruch der Dunkelheit verlassen alle das Heiligtum, bis auf einen oder mehrere Ogeden-Geweihte, der Totenwache hält. Dies hat nicht nur den Grund, den Leib vor wilden Tieren zu schützen, sondern auch, falls die Seele des Verstorbenen nicht zu Helios aufgestiegen ist, dann wird Saarka diese für sich beanspruchen. Der Geweihte wird dann die Göttin um Gnade für die Seele bitten, denn nicht das Weiterleben in der Unterwelt ist es, was die Menschen fürchten, sondern daß auch Saarka nicht bereit ist, sich der Seele anzunehmen. Die Göttin ist nicht gewillt, boshafte, niederträchtige und götterlose Seelen in ihrer Unterwelt zu beheimaten und wirft solche ihrer Schlange [[Zyberus]] zum Fraß vor. Diese Vorstellung macht den Menschen Angst, und um ihre Seele vor einem so schrecklichen Schicksal zu bewahren, sind sie stets bemüht ein göttergefälliges Leben zu führen. Wenn dann der Morgen graut, finden sich die Anhörigen wieder am Schrein ein und begraben ihren Toten an einer festgelegten Stelle rund um das Heiligtum. Innerhalb des inneren Steinkreises, rund um den Steinquader, werden nur die Geweihten oder Hochgeweihten der vier Götter bestattet. Die anderen Toten werden außerhalb, an einer der neun vom Zentrum wegstrebenden Obelisken, bestattet. Der Name des Toten wird zum Angedenken in den Obelisk gemeißelt und auf seinem Grab werden Blumen gepflanzt. Meist werden die Pflanzungen am Anfang der Jahreszeit der Poëna erneuert und so entstehen üppig blühende Blumengärten, woher auch der Name "Poenas Garten" herführt.  
 
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[[Kategorie:Encyclopedia Heligoniae]]
Das ist eine alte ogedische Weisheit, die von den Geweihten der vier Götter verkündet wird. Sie nimmt den Menschen die Furcht vor dem Tod. Sie wissen, daß [[Poena|Poëna]] zwar ihre Leiber zurücknimmt, jedoch ihre Seelen unsterblich sind. <br>Lange Zeit jedoch irrten diese auf der Erde umher. Da sandte ihnen [[Helios|Helios]] in seiner Gnade den Falken Gwon, der die Seelen der Verstorbenen zu ihm geleiten soll, damit er über sie Gericht halten kann. Sobald nun ein Mensch stirbt, erscheint Gwon getreu seinem Auftrag, um die Seele auf seinen Schwingen zu den Göttern zu tragen.<br>
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[[Kategorie:Ogeden]]
 
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[[Kategorie:Glauben]]
*Viele Menschen behaupten, sie hätten im Beisein&nbsp;eines Sterbenden das Rauschen von Gwons Flügeln vernommen, aber erblickt haben ihn wohl bis jetzt nur diejenigen, die mit ihm fliegen. So sagt ein Mensch, der schon einmal am Abgrund des Todes stand, „er habe bereits die Schwingen Gwons gehört“.  
 
*An vielen Orten Heligonias ist es auch üblich, das Fenster zu öffnen, wenn jemand im Sterben liegt, so dass Gwon ins Zimmer kommen kann. Ist dies sicher naiver Volksglaube, so zeugt er doch von der tiefen Angst der Menschen, dass die Seele nicht zu Helios gelangen könnte.  
 
*Besonders in den Minen von Tlamana ist es der Schrecken der Bergleute, verschüttet zu werden, denn, so glauben sie, wenn sie so tief im Leib Poënas sterben, kann Gwon ihre Seelen nicht befreien und sie müssen auf ewig in den Steinen gefangen bleiben.
 
 
 
Tatsächlich jedoch kommt es vor, daß eine Seele von Gwon nicht abgeholt wird, sei es, daß ihn dieser Mensch, als er noch lebte, beleidigt hat, oder aus anderen Gründen, die es dem Falken unmöglich machen, den Toten mitzunehmen. Diese Seele irrt dann so lange als Geist auf der Erde umher, bis sich jemand seines Problems annimmt und ihn dadurch von seinem unglücklichen Dasein erlöst.<br>
 
 
 
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Immer wieder haben Menschen auch versucht, Gwon zu überlisten und dadurch ewig, oder doch länger als natürlich zu leben. Dies gelang aber nur für kurze Zeit oder mit schlimmen Folgen, denn Helios‘ Auge ist allsehend:<br>
 
 
 
 
 
 
 
'''Eine Geschichte aus Betis'''
 
 
 
Ein dubioser Händler bot einmal einer reichen Dame eine Besonderheit an: Eine wahrhaftige Feder Gwons! Der Besitzer der Feder, so seine Erklärung, würde ewig leben. Denn wenn er sterbe und diese Feder bei sich habe, und Gwon eile herbei, so würde der Götterfalke wohl vermuten, er wäre aufgrund der verlorenen Feder bereits hier gewesen; alsdann der Vogel seinen Irrtum einsehe und unverrichteter Dinge wieder davonfliege. <br>Die Dame, begierig auf dieses Versprechen, kaufte die Feder für teures Geld. Und wirklich, als sie Jahre später einem Verbrechen zum Opfer fiel, geschah alles so, wie der Händler gesagt hatte: Gwon kam, kreiste über ihr und flog wieder davon. Nun erkannte die Dame, welch schrecklichem Trugschluß sie zum Opfer gefallen war: Sie war tot – doch Gwon hatte sie nicht mitgenommen. Seitdem soll ihr Geist verzweifelt auf Schlachtfeldern und in Siechenhäusern herumirren, in der Hoffnung, dass sie Gwon bei einem Sterbenden antrifft und ihn überreden kann, sie trotz ihres Betrugs doch mitzunehmen.  
 
 
 
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'''Eine Geschichte aus Darian'''
 
 
 
Einst lebte ein Prinz in einer Stadt aus Silber und Glas. Gleich einem Lob der Götter durfte er die schönste und klügste Frau des Landes die seine nennen. Da geschah es, dass die Dame des Prinzen zu Tode kam. Wie ein jeder, der jemals die Liebe selbst auch nur gesehen hat, schon erahnen mag, ward der Prinz in großes Leid gestürzt. Wohl war er zwar der Zauberkunde mächtig, hätte wohl manches Wunder bewirken können. Doch müsst Ihr wissen, eine Seele, die Gwon einmal zu den Göttern trägt, kann nicht zurückgebracht werden. Jene Mauer der göttlichen umgibt Poenas Gärten und bewahrt so die Seelen der Toten. <br>Viele Tage irrte der unglückliche Prinz umher, bis er in einem Brunnen einen Wassergeist traf, der versprach, ihm zu helfen: Der Prinz solle sich in einem See ertränken. Nicht lange würde es wohl dauern, bis Gwon herannahe, denn seine Seele sei eine reine, so viel stehe fest. Wenn der Falke dann ins Wasser tauche, um nach dem Toten zu fischen, werde er sodann von den Dschinnen des Wassers überwältigt, die sich zuvor gleich einem quecksilbrigen Scharm Fische im See verborgen hätten. Tot und doch unsterblich werde der Prinz dann auf den Rücken des Gwon aufsitzen, die Dschinnen sich zwischen den Federn verstecken und er selbst die Gesellschaft als Lufthauch begleiten. So getragen und verborgen, werde er Gwon zwingen, sie schließlich in den Garten der Poena zu bringen.<br>So sprach der Herr der Dschinnen und so taten sie es.<br>In Poenas Garten jedoch wandelten so viele Seelen, dass es dem Prinzen unmöglich schien, in der kurzen Zeit, in der die Götter die List noch nicht entdeckt hatten, seine Geliebte zu finden. Voller Ungeduld und Verzweiflung befahl er den Dschinnen, die Angebetete zu suchen. Diese ließen ab von Gwon, waren entlassen aus ihren Fesseln von jenem unbedachten Wunsch und durchströmten den Garten und darüber hinaus. Sie wogten hin und her, strömten im Kreise, wendeten Blatt und Stein. Und wehe, sie taten all dies in einer solchen Hast, dass sie einen großen Sturm entfachten. Und in jenen geriet schließlich auch der Prinz. Es riß ihn mit in jene Strömung, wirbelte ihn herum, bis er die Besinnung verlor. <br>Und so muss es gewesen sein, dass sich der Prinz im Sturme verlor, gleich jenen armen Wanderern, die den tückischen Winden der Wüsten des schönen Darians anheim fallen und ihnen zum Opfer werden. Wisset, dass der Sturm ihn hinab in die Welt der Sterblichen schleuderte, in das, was seine Heimat war, derer er sich aber nunmehr nicht mehr entsinnen konnte. Er war fortan dazu verdammt, durch die Welt zu wandeln, ohne zu wissen, wer er ist. Ohne dass irgend jemand weiß, wer er ist! Und solches sollte dauern bis der Prinz, der fortan der „graue Prinz“ genannte werden sollte, sich selbst findet.
 
 
 
<br>'''Eine Geschichte aus Güldental'''
 
 
 
Einst sollen [[Xurl|Xurl]] und die Göttin [[Saarka|Saarka]] eine Wette über das Gute im Menschen abgeschlossen haben. Saarka, die die Menschen liebte und ihnen die Seelen gegeben hatte, vertraute den Menschen und gab Xurl ihre Einwilligung, er dürfe sie auf die Probe stellen. So machte Xurl den Menschen ein Geschenk: den Koronsee. Er soll türkisblau, warm und von unsagbarem Fischreichtum an Xurlrelen pulsierend gewesen sein. Diese Fische haben eine dritte Blase, deren Saft dem Vogel Gwon dem Seelenträger, der die Seelen der Toten zu den Sternen trägt, so mundete, daß er darüber alle seine Pflichten vergaß. Wußten zu Anfang die Menschen Xurls Geschenk zu würdigen, da sie liebe Menschen nicht mehr an Gwon übergeben mußten, wenn sie ihn mit dem Fischsaft fütterten, wurden sie jedoch bald hochnäsig und spotteten, der Götter Gesetz durchbrochen zu haben und nannten sich hinfort selbst Götter. Und ihre Überheblichkeit kannte keine Grenzen mehr.<br>Doch obwohl der See voll von Xurlrelen war, war er doch nicht groß genug, um alle Menschen mit dem Fischsaft zu versorgen. Aus Angst, es könnten einmal nicht mehr genug Fische für einen selbst bleiben, begannen sich die Menschen zu meucheln und zu morden. So traten sie Xurls Geschenk mit Füßen, besudelten es selbst mit ihrem eigenen Blut. Triumphierend zeigte Xurl der Saarka, was am Koronsee geschah. Saarka ließ sich am Ufer des Sees nieder und begann bitterlich zu weinen, als sie verstand, wie schwer sie sich in den Menschen getäuscht hatte und wie sehr die Menschen sie enttäuscht hatten. Ihre bitteren Tränen flossen in den See und veränderten ihn. Machten ihn zu dem was er heute ist. Dunkel und kalt. Und nicht nur der See ist seit dem ein anderer geworden. Die Xurlrelen konnten nun in dem tiefen, kalten Wasser nicht mehr laichen und müssen nun weiter Stromaufwärts im Oberen Koron ihre Eier nach einem kräftezehrenden Kampf gegen die Strömung schwimmen, ablegen. Danach sterben sie alle, wodurch die Fische nicht mehr das Alter erreichen, um ihre dritte Blase mit dem Saft für Gwon zu füllen.
 
 
 
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[[Category:Encyclopedia_Heligoniae]] [[Category:Ogeden]] [[Category:Glauben]]
 

Version vom 28. März 2010, 15:47 Uhr

Der ogedische Totenkult

Gwon.gif

"Alles Leben beginnt mit dem Tod."

Das ist eine alte ogedische Weisheit, die von den Geweihten der vier Götter verkündet wird. Sie nimmt den Menschen die Furcht vor dem Tod. Sie wissen, daß Poëna zwar ihre Leiber zurücknimmt, jedoch ihre Seelen unsterblich sind. Diese trägt Gwon, der Götterfalke, zu Helios an das Himmelszelt, wo sie als Sterne in der Nacht strahlen. Demnach ist der Tod eines Menschen die Geburt eines neuen Sterns. Der Körper geht wieder in den Kreislauf der Natur ein, wie das Laub im Xurl, das im Saarka zu fruchtbarer Erde zerfällt und im Poëna mit der Kraft und Wärme Helios neues Leben wachsen läßt. Dennoch nehmen die ogedischen Gläubigen Abschied von ihren Verstorbenen und betrauern sie, weil jeder Mensch nach seinem Tod einen leeren Platz im Leben seiner Angehörigen und Freunde zurückläßt. Die Heimstätte der Toten wird Poenas Garten genannt. Jede Ansiedlung besitzt einen solchen Totengarten, der immer außerhalb des Dorfes oder der Stadt liegt und gleichzeitig ein Schrein für alle vier Götter ist. Mittelpunkt des Götterschreins ist ein großer Steinquader mit den Zeichen der Götter, auf dem der Verstorbene nach uralten Riten aufgebahrt wird. Am Tage des Todes wird der Leib gewaschen, gesalbt und mit dem Totengewand bekleidet. Der Steinquader wird reichlich mit Blumen und Kräutern geschmückt, bevor der Körper des Toten darauf gelegt wird. Während Helios in der Abendstille am Rande der Erdenschale versinkt, bitten die Angehörigen den Gott um die Aufnahme der Seele. Bei Einbruch der Dunkelheit verlassen alle das Heiligtum, bis auf einen oder mehrere Ogeden-Geweihte, der Totenwache hält. Dies hat nicht nur den Grund, den Leib vor wilden Tieren zu schützen, sondern auch, falls die Seele des Verstorbenen nicht zu Helios aufgestiegen ist, dann wird Saarka diese für sich beanspruchen. Der Geweihte wird dann die Göttin um Gnade für die Seele bitten, denn nicht das Weiterleben in der Unterwelt ist es, was die Menschen fürchten, sondern daß auch Saarka nicht bereit ist, sich der Seele anzunehmen. Die Göttin ist nicht gewillt, boshafte, niederträchtige und götterlose Seelen in ihrer Unterwelt zu beheimaten und wirft solche ihrer Schlange Zyberus zum Fraß vor. Diese Vorstellung macht den Menschen Angst, und um ihre Seele vor einem so schrecklichen Schicksal zu bewahren, sind sie stets bemüht ein göttergefälliges Leben zu führen. Wenn dann der Morgen graut, finden sich die Anhörigen wieder am Schrein ein und begraben ihren Toten an einer festgelegten Stelle rund um das Heiligtum. Innerhalb des inneren Steinkreises, rund um den Steinquader, werden nur die Geweihten oder Hochgeweihten der vier Götter bestattet. Die anderen Toten werden außerhalb, an einer der neun vom Zentrum wegstrebenden Obelisken, bestattet. Der Name des Toten wird zum Angedenken in den Obelisk gemeißelt und auf seinem Grab werden Blumen gepflanzt. Meist werden die Pflanzungen am Anfang der Jahreszeit der Poëna erneuert und so entstehen üppig blühende Blumengärten, woher auch der Name "Poenas Garten" herführt.