Nufborgs geselliger Hort
Schmecktnet, worom kochsch Du nemme middem Dudmanet?
Dädsch Du med oim koche, wo end Supp spuckt, wennd net nagucksch?
Hano, sell däd i net!
Siehsch, der Dudmanet au net
Brazfurt in den Nordlanden ist ein kleines Dorf am Rande des Parimawalds. Wie in der einschlägigen Fachliteratur (immerhin 6 Seiten) beschrieben, beginnen hier Wetter und Stimmung schlecht zu werden und dagegen hilft in gewissem Umfang Alkohol. Deshalb kennt sich auch jeder aus Brazfurt im Brauen oder Brennen aus. (Männer sind für Bier zuständig, Frauen für Likör, beide für Schnaps.) Bei Feierlichkeiten – und davon gibt es trotz der mäßig geselligen Natur der Brazfurter einige – ist es aber günstig, wenn zwei oder drei Leute sich als Wirte um den Ausschank kümmern. Schließlich soll es später noch aufs Maul geben und da hilft eine vernünftige Grundlage. Nachdem sich die früheren Wirte zerstritten hatten, übernahmen Nufborg und Naborg im Jahre 27 nach HA III die verantwortungsvolle Aufgabe. Ihre für Brazfurt ungewöhnlichen Namen könnten auf eine zweifelhafte Herkunft hindeuten, aber das soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden.
So... kommsch au
Im folgenden Sommer bekamen die Brazfurter Besuch. Nicht nur zwei oder drei Durchreisende, das kam immer wieder vor, sondern zwei große Gruppen, die aus irgendwelchen Gründen genau hier hinwollten, mit den Anführern Karr der Jäger und Prinzessin Syria Jaldis von Drachenhain. Die Namen sagten den Brazfurtern zwar nichts, aber Prinzessin klang nach Gewinn. Nufborg und Naborg witterten das Geschäft ihres Lebens. Schnell errichteten sie einen offenen Stand mit einigen Tischen und Bänken. Dann schleppten sie Getränke herbei und einen riesigen Kochtopf, denn eine Suppe war offensichtlich die einfachste Methode, die große Anzahl an Gästen zu verköstigen. Auch die Brazfurter selbst kamen auf den Geschmack und futterten ordentlich mit. Nur der Schmecknet, einer der ehemaligen Wirte, der sich mit einer fragwürdigen Fleischbeilage einschleimen und mitverdienen wollte, wurde gnadenlos weggejagt.
Des isch besser wia ebbes net so Guats
Also schnippelten Nufborg und Naborg die nächsten Tage Karotten, Zwiebeln, Sellerie und alles mögliche sonstige, füllten den Topf immer wieder nach und verkauften ein Bier nach dem anderen und sogar Wasser, denn dem Wasser am Parimawald sei nicht zu trauen. (Woher das verkaufte Wasser kam, sagten sie nicht.) Die Reisenden jagten derweil, offenbar wegen einer Wette, wie irre in der Gegend herum, versuchten, in den Parimawald einzudringen, bis sie in Ohnmacht fielen, belästigten den Wächter am Waldheiligtum, handelten den Brazfurtern größtenteils nutzlose Gegenstände ab und gingen dem ganzen Dorf immer mehr auf die Nerven. Nur Nufborg und Naborg waren zufrieden, denn das hektische Gewusel der Gäste führte zu großem Hunger und starkem Durst.
Irgendwann aber hatte jemand die Wette wohl gewonnen und die ganze Blase zog wieder ab. Die Brazfurter mochten allmählich auch kein zerkochtes Gemüse mehr, lieber beschränkten sie sich wieder auf Ziegenbraten, Bier, Likör und Schnaps. Schließlich ließen Nufborg und Naborg es gut sein und gossen den Rest der Suppe dem Schmecknet in den Hof.
Was machsch no? Bleeds Gsiecht!
Und so musste Brazfurt wieder ohne Dauertaverne auskommen, was keinem schwerfiel, denn Saufen kann man auch so und Geld ist den Brazfurtern trotz aller sonstiger Fehler nicht besonders wichtig. Insbesondere dem Nufborg hat die Geschichte aber gut gefallen. Irgendwann hat er ein Schild gemalt („Nufborgs geselliger Hort“), das er seither, also seit über einem Vierteljahrhundert bei passender Gelegenheit samt Kochtopf aus dem Schuppen zieht. Wenn ihr also einmal durch Brazfurt kommt, insbesondere in größerer Gruppe: Für euer körperliches Wohlsein wird gesorgt.
Allerdings vermutlich auch für seelisches Unbehagen. Was Außenstehende betrifft, ist die Botschaft, die Nufborgs Schild vermittelt, doch stark geschönt.
Insofern – überlegt es Euch.
Gell, da glotzsch! Gschieht dir recht!
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