Schattenspiel "Die Fischerei-Rechte"

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Schattenspiel "Die Fischerei-Rechte"
Autor Die See-Elfen
Quelle Helicon 65
Jahr der ersten Veröffentlichung 54 n.A.III
räumliche Herkunft Darragesh
Autor (OT) Marc Hermann

Es ist ein uraltes Land, in dem das Leben vom Rhythmus der Gezeiten bestimmt wird. Doch wer in diesen Tagen genauer hinsieht, den blendet das Silber nicht mehr. Er erkennt die dunklen Schatten unter der Oberfläche. Zwei mächtige Familien, die Guldensteins und die Basonna, erheben Anspruch auf dieselben reichen Fanggründe in den tiefen, dunklen Kanälen.

Die Guldensteins pochen auf das geschriebene Wort. Sie wedeln mit alten, vergilbten Pergamenten und königlichen Dekreten, die ihnen Schwarz auf Weiß das alleinige Recht zusprechen. Die Basonna hingegen scheren sich nicht um Papier. Sie berufen sich auf das ungeschriebene Gesetz des Blutes und der Tradition. Sie schwören bei den Geistern ihrer Ahnen, dass bereits ihre Großväter und Urgroßväter in diesen Kanälen ihre Netze ausgeworfen haben. Und was die Ahnen besaßen, das gehört ihnen – nun und für alle Ewigkeit.

Aus dem Streit der Worte wird bald ein Krieg der Taten. Zuerst geschieht es im Schutze der namenlosen Nacht: Feige Hände zerschneiden die feinen Maschen der Netze der jeweils anderen Familie, sodass die mühsame Arbeit umsonst war und der Fang im Nichts verschwindet. Schließlich, in einer mondlosen Nacht, geschieht das Unausweichliche. Ein Boot der Basonna, beladen mit der Hoffnung einer ganzen Familie, wird in den tiefen Kanälen gerammt und sinkt. Seine Fischer finden den Tod in den kalten Fluten. Die Guldensteins sprechen von einem tragischen Unfall auf See, einem unglücklichen Manöver im Nebel. Die Basonna aber klagen die Guldensteins an. Für sie ist es eiskalter Mord, ein Verrat, der nur mit Blut gesühnt werden kann.

Hoch über diesem menschlichen Wahn, in den verborgenen Tiefen des Deltas, leben die eigentlichen Herren des Wassers: die See-Elfen. Sie beobachten das Treiben der Sterblichen mit kalter, unendlicher Geduld. Sie sagen kein einziges Wort, denn ihre schweigenden, prüfenden Blicke sind härter und kälter als jedes menschliche Urteil. Sie sehen, wie die Gier und der Hass die Herzen der Fischer vergiften. Sie sehen, wie das Land, das sie alle ernährt, durch Blut und Zwietracht entweiht wird. Und so beginnt in den Augen der See-Elfen ein tiefes, wachsendes Misstrauen gegenüber beiden Familien zu keimen. Dieses Schweigen der Elfen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern die Vorbereitung auf den Sturm. Es ist der erste, leise Schritt zu ihrer späteren Blockade – dem Tag, an dem sie den Weg zum offenen Meer für alle Menschen schließen werden, um dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten.