Schattenspiel "Die Werft"
| Schattenspiel "Die Werft" | |
|---|---|
| Autor | Die See-Elfen |
| Quelle | Helicon 65 |
| Jahr der ersten Veröffentlichung | 54 n.A.III |
| räumliche Herkunft | Darragesh |
| Autor (OT) | Marc Hermann |
In den staubigen, geschäftigen Werften von Darragesh schlug das wirtschaftliche Herz des Reiches. Hier, wo der Duft von Teer, Pech und edlen Hölzern in der Luft lag, wurden die Schiffe gebaut, die den Ozean beherrschen sollten. Doch der wahren Macht auf dem Wasser ging ein erbitterter Kampf voraus: Der Streit um die besten Schiffsbaumeister. Jene legendären Handwerker, deren Hände Kiele schnitzen konnten, die jedem Sturm strotzten, waren rar. Und sowohl die Guldensteins als auch die Basonna wollten sie ganz für sich allein.
Um die Gunst der Meister zu gewinnen, griffen die beiden verfeindeten Häuser tief in ihre Schatzkammern. Das Haus der Guldensteins setzte auf den puren Glanz des Reichtums. Sie boten den Meistern astronomische Löhne, Bezahlung in reinem Gold und unermessliche Reichtümer für jede vollendete Planke. Die Basonna hingegen lockten mit den Früchten von Macht und Stand. Sie versprachen den Handwerkern königliche Privilegien, edle Titel, Landbesitz und den uneingeschränkten Schutz ihrer privaten Garden vor jeglichen Feinden. Als die Worte und Versprechungen nicht mehr ausreichten, um den Partner zu überzeugen, griffen beide Seiten zur Heimtücke. Im Schutz der Nacht schlichen Agenten durch die Werften, um die Verträge der Gegenseite zu stehlen, zu fälschen oder die Werkstätten der rivalisierenden Meister zu sabotieren. Der Wettstreit war längst zu einem schmutzigen Krieg im Verborgenen geworden.
Die Eskalation ließ nicht lange auf sich warten. In einer finsteren, stürmischen Nacht geschah das Unfassbare: Ein imposantes, halbfertiges Flaggschiff der Guldensteins ging in den Werften in Flammen auf. Die Hitze war so groß, dass das Holz wie Zunder verbrannte und der Traum von der unbesiegbaren Flotte zu schwarzer Asche zerfiel.
Am nächsten Morgen standen sich die verfeindeten Parteien wütend gegenüber. Die Guldensteins schäumten vor Zorn und beschuldigten die Basonna direkt des feigen Brandanschlags. Die Basonna jedoch wiesen jede Schuld von sich und zuckten kalt mit den Schultern; sie behaupteten spöttisch, der Brand sei lediglich ein trügerischer Unfall gewesen, verschuldet durch die schlampige Lagerung von brennbarem Pech auf den Werften der Guldensteins.
Auf ihren erhabenen Schiffen, weit entfernt von den brennenden Werften und dem Lärm der Menschen, beobachteten die See-Elfen dieses Trauerspiel. Sie sahen die Gier, den Neid und die Selbstzerstörung der Sterblichen, die ihren heiligen Ozean mit Hass und Asche überzogen. In diesem Augenblick sprach der Älteste der See-Elfen ein hartes, unumstößliches Machtwort, das sich wie eisiger Frost über das Delta legte: Dass die Menschen „den Ozean nicht verdienen, den sie befahren“. Und mit diesen Worten schloss sich das Schicksal der Werften.