Sarniant

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Lehen Hauptstadt der Baronie Wolfenfeld
Regierungsform Stadtrat, Baronin mit Stimmrecht
Fläche
Einwohner ca. 1200

Die kleine Stadt Sarniant, Hauptort und Regierungssitz der Baronie Wolfenfeld, liegt am Brazach, etwa auf halber Strecke zwischen Betis und Escandra. Hier befindet sich die einzige Brücke über den Brazach, außerdem kreuzen sich der Helos-Weg und die Straße aus Thal, die vom Schlangenklamm ins Hochland führt.



Die Stadt am Fluss

Die Brücke

Der sonst so ruhige Brazach zwängt sich vor Sarniant durch eine Engstelle, was eine gefährliche Strömung und plötzlich auftretende Strudel zur Folge hat. Lange Zeit war die Brazachenge für Schiffe nicht überwindbar, so dass alle Handelswaren abgeladen und mit Karren stromauf gebracht werden mußten, wo neue neue Lastkähne bereitstanden. Dieser untere Stapelplatz entwickelte sich schnell zu der Siedlung, die heute Sarniant heißt. Außerdem gab es bald eine kleine Fährverbindung nach Thal.

Als im Jahre 374 v.A.III Ardan von Drachenhain, erster Baron von Wolfenfeld, hier schließlich eine kleine Burg erbaute, wollte er damit nicht nur die Grenzen Drachenhains festigen, sondern auch die beiden Handelswege zu Wasser und zu Land nutzen und ausbauen. Um den langsamen Fährbetrieb zu umgehen, baute er zuerst eine Holzbrücke, die aber regelmäßig vom Hochwasser zerstört wurde. Um die Gewalt der Strömung zu brechen, ließ er endlich in langjähriger, mühevoller Arbeit von den besten Architekten und Steinmetzen – die Geschichten sprechen auch von Zwergenwerk - eine Brücke über den Brazach errichten. Dieses Bauwerk wurde und wird bis heute als solches Meisterwerk angesehen, dass die kleine Siedlung darauf den Namen "Sarniant" erhielt. Das einfache Volk nennt den Ort seit Menschengedenken "Stoabruck", was lediglich eine schlichte Übersetzung des gelehrten Namens in den Drachenhainer Dialekt ist. Ardan nahm daraufhin die dreibogige Brücke in sein Wappen auf.

An den Hochwassertagen bricht die Strömung mit solcher Gewalt an den Brückenpfeilern, dass das Tosen im ganzen Ort zu hören ist. Über der Stadt hängt dann ein weißer Gischtschleier, der zwar ein malerisches Schauspiel ist, Sarniant aber den sprichwörtlichen Ruf eingebracht hat, der rostigste Platz in ganz Heligonia zu sein.

Die Enge

Lastkähne und Handelsschiffe, die mit ihren Waren stromaufwärts in die Hauptstadt Escandra oder Ostarien unterwegs sind, müssen zwar ohnehin getreidelt werden, aber die Strömung in der Brazachenge ist so stark, dass zusätzliche, besonders kräftige Zugtiere vorgespannt werden müssen. Außerdem muß die gesamte Besatzung mit Stangen und Seilen kräftig mit anpacken. An der engsten Stelle wurde der Treidelpfad direkt in die Felswand geschlagen, außerdem sind eiserne Ringe und Seilzüge befestigt. Die ganze Strecke muß nach den oft verheerenden Hochwassern im Winter und Frühjahr häufig gereinigt und repariert werden, was eine gefährliche Arbeit darstellt.

Schiffe, die stromabwärts kommen, sind verpflichtet, vorher einen Lotsen an Bord zu nehmen, der die Tücken der Strömung genau kennt.

Die Brücke konnte die Gewalt des Strudels am Ausgang der Enge zwar ein wenig mindern, aber wenn am Ende der Saarkamonde das Schmelzwasser eintrifft oder heftige Regenfälle auftreten, muss die Durchfahrt manchmal für eine Woche oder länger gesperrt werden. Immer wieder ignorieren leichtsinnige Kapitäne und profitgierige Händler die Warnungen und es gibt Todesopfer zu beklagen. So ziemlich jeder Sarnianter hat schon einmal das krachende Geräusch gehört, wenn ein Schiff an den Pfeilern leck schlägt, sich im Strudel dreht und dann etliche hundert Schritt unterhalb der Brücke einfach verschwindet...

Die wichtigsten und ältesten Zünfte Sarniants sind deshalb die Treidler und Lotsen.

Hafen und Werft

Im Jahre 31 n.A.III. gab Fürst Waldemar von Drachenhain den Auftrag, den kleinen Hafen von Sarniant zum Handelshafen und Flottenstützpunkt auszubauen. Es wurde ein neues Hafenbecken angelegt, dazu verschiedene Kanäle, die mit komplizierten Schleusentoren gegen das Hochwasser gesichert wurden. Der neue Hafen wurde aufgeteilt in einen öffentlichen und einen militärischen Bereich, in dem vor allem Schiffe der Drachenhainer Flotte gebaut und gewartet werden. Im öffentlichen Hafen sind Lagerhäuser errichtet, die von Händlern und Kaufleuten zu guten Konditionen angemietet werden können. Mauern, Absperrungen und gesicherte Zufahrtswege schützen nun Schiffe und Waren, und eine gemauerte Mole erleichtert das Löschen der Ladungen. Neben der Drachenhainer Werft mit ihren beiden Hellings haben sich inzwischen auch weitere Bootsbauer angesiedelt.


Der Schrein

Hoch über der Stadt auf einem Sporn, der den Eingang der Brazachenge beherrscht, befindet sich das Xurl-Heiligtum von Sarniant. Da der Ort am, vom und mit dem Fluss lebt, ist es nicht verwunderlich, dass man eine besondere Beziehung zu Xurl pflegt. Die Zeit des Hochwassers ist auch die Zeit der großen Xurl-Prozessionen, die den Herrn der Wasser besänftigen sollen. Auch jeder Lotse opfert dem Flusskönig, bevor er zur Arbeit geht, und bittet um glückliche Heimkehr.


Die Stadt des Handels

Der Knotenpunkt

Ein Reisender kann sich in Sarniant für zahlreiche Wege entscheiden: Nach Süden Richtung Drachentrutz und Jolbruck, nach Norden Richtung Ankur und Escandra, nach Westen ins Hochland. Überquert er die Brücke, so steht ihm östlich der Schlangenkamm vor Augen, aber auch Hochanthen mit dem Weg nach Betis und weiter im Süden Marola in Sedomee, dem Ende des Helos-Weges. So viele Wege offenstehen, so viele Waren erreichen auch die Stadt. Vieles wird zwar nur weitertransportiert, aber so manches schöne Stück bleibt auch in den Marktständen und Handelskontoren hängen. Am meisten profitiert Sarniant aber natürlich von den Zöllen.

Das Marktfest

Einmal im Jahr, zum Vollmond im 3. Helios, feiern die Sarnianter ein großes, dreitägiges Marktfest, zu dem die Besucher von weit her strömen. Gaukler, Spielleute und Komödianten unterhalten das Volk, überall wird gesotten und gebraten, Bier, Wein und Met fließen in Strömen. Höhepunkte sind die Pferderennen, bei denen es nicht so sehr auf Geschwindigkeit, sondern Geschick und Ausdauer ankommt. Hier können die Treidelpferde ihr Können zeigen. Am dritten Tag finden die Strudelrennen statt, sofern es das Wetter zuläßt: Die Sarnianter Zünfte starten in kleinen Booten, müssen Ringe fassen, die von der Brücke hängen, um Hindernisse rudern und dergleichen mehr. Seit einigen Jahren ist eine Tuchmesse angeschlossen, die zahlreiche Händler aus ganz Heligonia anlockt, vom Seidensticker aus Sedomee bis zum Chisonwirker aus Tlamana.

Rat und Zünfte

Als im Jahre 26 n.A.III. das 400jährige Gründungsfest gefeiert werden konnte, gewährte Seine allerdurchlauchtigste Majestät Helos Aximistilius III. der Marktgemeinde die Stadtrechte. Diese wurden Sarniant in einer feierlichen Zeremonie im Rahmen eines viertägigen Festes verliehen. Seitdem erlebte die Stadt tiefgreifende Veränderungen: Ein Stadtrat und eine eigene Wache wurden eingesetzt, zahlreiche Handwerker und Kaufleute siedelten sich an, eine Stadtmauer wurde gebaut und Zünfte gegründet. Die Stadt wird nun von einem 14köpfigen Rat regiert, der sich hauptsächlich aus Händlern und den Meistern der Zünfte zusammensetzt. Die Baronin hat ebenfalls ein Stimmrecht, läßt sich in den Sitzungen aber meistens vertreten.

Neben den sehr alten Treidlern und Lotsen ist noch die Zunft der Silberschmiede und der Wagner besonders zu erwähnen.

Natürlich gibt es in einer Stadt der Händler und Pilger etliche Wirtshäuser verschiedener Preisklassen. Der bekannteste und teuerste Gasthof ist der "'Flusskrebs'", in dem auch wichtige Persönlichkeiten einzukehren pflegen.


Die befestigte Stadt

Seitdem Sarniant die Stadtrechte besitzt, ist es verpflichtet, für die eigene Verteidigung zu sorgen. So errichtete man mit Hilfe der Baronin statt der alten Holzpalisaden über mehrere Jahre hinweg eine Steinmauer mit bewehrten Toren. Auch der Handelshafen und der Flottenstützpunkt müssen gesichert werden. So wurde eine Stadtwache unter dem Kommando eines Hauptmanns und mehrerer Waibel aufgestellt, die von der Stadt unterhalten werden. Außerdem hat sich eine Bürgerwehr gebildet, die auch für ein Zeughaus sorgt. Im Friedensfall beschränkt sich die Aufgabe der Wache hauptsächlich auf das Bewahren von Recht und Ordnung und die Überwachung der Handelszölle und des Grenzverkehrs.


Die Burg

Die Burg wurde 374 v.A.III. von Ardan von Drachenhain errichtet. Sie steht auf einer kleinen Felsnadel, um die herum sich der Ort ansiedelte. Das mächtige, mehrstöckige Haupthaus bildet den Kern der Burg, im Laufe der Jahre kamen ein innerer und ein äußerer Hof dazu. Insgesamt ist die Festung dennoch recht klein, es leben nicht mehr als 40 Menschen darin. Mit Brunnen, Garten und Viehbestand ist sie weitgehend unabhängig und kann auch aufgrund ihrer Lage einer Belagerung eine gewisse Zeit standhalten.

In alten Geschichten ist von einem Fluchtgang in die Stadt hinunter die Rede, aber ob es ihn je gegeben hat und er noch benutzbar ist, weiß niemand.

Wunjo von Drachenhain ließ 3 n.A.III. den Dachboden des Haupthauses entfernen und gab so den Blick auf das kunstvoll verstrebte Dachgestühl frei. Nach dem Niederreißen einer Trennmauer schuf er damit einen hohen und geräumigem Festsaal. Eine Galerie, die auf der Höhe des ehemaligen Dachbodens verläuft, verbindet nun Bergfried und Pallas, eine Holztreppe führt in den Saal hinunter.

Die Steine

Bis zum 31. Tag der 1.Saarka 43 gab es in der Burg zwei Kuriositäten, deren wahre Bedeutung sich erst in jener Crelldinornacht erwies:

  • Am Eingang des Haupthauses befand sich der "Rote Stein", ein kleiner, fast runder Felsbrocken von blutroter Farbe, von dem es hieß, er sei vor Urzeiten vom Himmel gefallen. Er wurde neben der Tür eingemauert und seine Berührung sollte allen, die die Burg wieder verließen, Glück bringen.
  • Am Treppenaufgang zum ersten Stock war eine kleine, seltsam geformte Steinfigur befestigt, von der niemand wußte, wen sie darstellen sollte. Kopf und Schultern waren mit der Mauerkante verbunden, die Nackenlinie jedoch bildete mit der Wand eine kleine Öse, die mit einem Büschel Stroh verstopft war. Jeder achtete darauf, dass dies immer der Fall war, denn einer alten Sage zufolge würde sonst großes Unheil daraus entstehen. Schon den Kindern schärfte man ein, die Finger von der Figur zu lassen. So blickten meist alle nur mit Scheu hinauf zum "Strohfresser".

In der „Schwarzen Crelldinornacht“ 43 jedoch ließ Baronin Josephina beide Kuriositäten aus der Mauer brechen und in den Schrein bringen. Zusammen mit einem bestimmten Stein aus der Brücke ergab sich zusammengesetzt ein Gebilde, das soviel göttliche Macht ausstrahlte, um den zauberischen Angriff des „Schwarzen Schnitters“ aus Stueren auf die Stadt in jener Nacht scheitern zu lassen.